Konnektivismus

Bekannt wurde der Begriff mit dem 2008 von Stephen Downes und George Siemens durchgeführten Open Online Courses „Connectivism & Connective Knowledge“, Siemens schrieb jedoch schon 2004/2005 den Beitrag „Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age”, in dem er die Grundzüge des Ansatzes skizzierte.

Herausforderung Informationsflut
Demnach braucht es in Zeiten stetig wachsender Informationsflut einen neuen Lernansatz, um dieser zu begegnen. So reicht es heute nicht mehr, große Mengen an Faktenwissen aufzunehmen, nach Siemens wird es ebenso wichtig, wenn nicht sogar bedeutsamer, zu wissen, WO etwas zu finden ist.

Konzept der Knoten (Nodes)
Es ist ein Wandel von dem „Wissen-Was“ und „Wissen-Wie“ (Faktenwissen und Handlungswissen) zu einem „Wissen-Wo“. Für sein Konzept führte er den Begriff des „Knotens“ ein: ein Knoten ist ein Träger von Informationen. Das kann eine Person sein, aber auch eine Webseite, ein Netzwerk, eine Informationsquelle.

Fähigkeiten fürs Informationszeitalter
Wichtig ist nun, diese Knoten miteinander zu vernetzen und sozusagen für sich ein Netzwerk an Knoten zu schaffen, die uns mit relevanten Informationen versorgen. Lernen ist für ihn ein Prozess der sozialen und technisch gestützten Vernetzung (Siemens 2011). Dabei wird auch die Fähigkeit wichtig, relevante von weniger bedeutsamen Informationen unterscheiden zu können zu einer der wichtigsten Fähigkeiten der Menschen in der Informationsgesellschaft, wobei sich diese Relevanz täglich ändern kann aufgrund veränderter Umweltbedingungen und neu bewertet werden muss.

Kritik am Konnektivismus
Doch der Konnektivismus hat auch Kritiker (s. z.B. Kop und Hill (2008)), die beispielsweise konstatieren, dass der Ansatz sich wenig bis gar nicht auf bisherige Veröffentlichungen zum Thema Lerntheorien bezieht und vorangegangene Arbeiten wie z.B. Wengers ‚communities of practice‘ nicht aufnimmt (Wenger 1998). Robes (2012) nennt in diesem Kontext noch Verhagen (2006), der kommentiert, dass viele Ideen eher didaktische Handlungsanleitungen darstellen, denn in eine fundierte Theorie münden.

Reaktion auf die Kritik

Während Siemens 2005 den Ansatz noch als Lerntheorie bezeichnete, so hat er inzwischen davon Abstand genommen, wohl auch um genau diese Debatten zu vermeiden. Ihn interessiert viel mehr die praktische Umsetzung als die theoretische Debatte wie ein Zitat von ihm belegt:

„And we were both tired of arguing about connectivism (‘is it a theory’). We decided that experiencing networked learning was important to understanding networked learning. Instead of talking connectivism, we wanted to create an experience that was essentially connectivist: open, distributed, learner-defined, social, and complex.”
(Siemens 2012)

Fazit
Doch auch wenn der Konnektivismus nicht ausreichend scheint, um eine neue Lerntheorie darzustellen, so spielt er zur Zeit doch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Umsetzung neuerer pädagogischer Ansätze, in denen sich die Kontrolle vom Lehrenden hin zum autonomen Lernenden verschiebt wie auch Kop und Hill (2008) trotz Kritik bestätigen.

Doch bei aller Kritik an der Bezeichnung des Konnektivismus als Lerntheorie, so wird immer wieder betont, dass er doch eine doch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuerer pädagogischer Ansätze spielt, bei denen sich die Kontrolle vom Lehrenden hin zum autonomen Lernenden verschiebt, wie z.B. auch Kop und Hill (2008) trotz ihrer Kritik bestätigen.

Weitere Informationen:

s. dazu auch das Video mit Stephen Downs
“What is Connectivism? A Quick introduction to the topic of Connectivism”


Video streaming by Ustream

Quellen

Kop, Rita; Hill, Adrian (2008): Connectivism: Learning theory of the future or vestige of the past? In: The International Review of Research in Open and Distance Learning, Vol 9, No 3.

Robes, J. (2012): Massive Open Online Courses: Das Potenzial des offenen und vernetzten Lernens. In: Handbuch E-Learning 42. Ergänzungslieferung Juni 2012.

Siemens, G. (2005): Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age. In: International Journal of Instructional Technology and Distance Learning, Vol. 2 No. 1, Jan 2005

Siemens, G. (2011): Connectivism in the Enterprise, in: ELEARNSPACE, 19.5.2011.

Siemens, G. (2012): MOOCs for the win! In: ELEARNSPACE, 5. 5. 201.

Wenger, Etienne (1998): Communities of Practice: Learning, Meaning, and Identity. Cambridge: Cambridge University Press.

4 Gedanken zu „Konnektivismus

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