Massiv

Beginnen wir mit dem Adjektiv „massiv“. Stephen Downes erwähnte mir gegenüber auf dem Teletask Forum in Potsdam, dass sie einen Kurs als „massiv“ bezeichnen , der eine Größe von 150 Teilnehmenden und damit die so genannte Dunbar Zahl überschreitet.

Dunbar Zahl
Der britische Anthropologe Robin Dunbar untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Gehirn von Säugetieren und der Gruppengröße, in denen diese Säuger leben – und fand heraus: Das menschliche Gehirn kann nur eine begrenzte Zahl von Kontakten verarbeiten. Die theoretische kognitive Grenze der Anzahl an Menschen, mit denen der moderne Menschen soziale Beziehungen unterhalten kann liegt bei 100 – 200, im Schnitt bei 150. Diese Zahl wird durch aktuelle Studien zu sozialen Netzwerken wie z.B. auch zur Nutzung von Twitter untermauert (Goncalves 2011)

S. dazu auch den sehr hilfreichen Beitrag von Stephen Downes vom 17.1.2013: What Makes a MOOC Massive?, in dem er schreibt, dass es nicht nur die pure Zahl der angemeldeten Teilnehmenden ausmacht, sondern eher die Zahl der aktiven Teilnehmenden, aber auch das Ausmaß an Materialien, Tools usw., das den Kurs „massiv“ macht. Dabei weist er auch auf die Gefahr hin, das gerade bei sehr grossen Teilnehmerzahlen am Ende nur eine kleine Gruppe, der so genannte „inner circle“ aktiv ist.

„So what is essential to a course being a *massive* open online course, therefore, is that it is not based in a particular environment, isn’t characterized by its use of a single platform, but rather by the capacity of the technology supporting the course to enable and engage conversations and activities across multiple platforms.“

„But, in fact, to be a massive course, it must needs respect a wide variety of individual objectives, perspectives on course materials, and opinions about relevant topics of discussion (not to mention technological platform and language of ‚instruction‘).“

Quelle: Stephen Downes: What Makes a MOOC Massive?, 17.1.2013

-> weiter zum Begriffsteil „Open“

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4 Gedanken zu „Massiv

    • Besteht bei „massive“ die Gefahr, dass das Gehirn abschaltet, da Reizüberlastung auftritt? Oder muss eine Auswahl der Lernangebote getroffen werden und was ist mit denen, die dafür Unterstützung brauchen?

      • Danke für die Frage!!

        Ich glaube eher, Personen ziehen sich zurück, beteiligen sich nicht… die Frage ist, wie sich das „massiv“ ausdrückt.

        Massiv als grosse Menge von Inhalten
        Ich denke, es kann sich einerseits durch die vom Veranstalter bereitgestellten Materialien ausdrücken (wobei das nicht im Sinne der MOOC-Definition wäre, denn viele Inhalte gibt es ja auch in anderen online Kursformaten), aber wir können es hie ja auch als Phänomen in den MOOCs diskutieren.

        Die Menge der Inhalte: Das kann man ja steuern. Die Anzahl an Inhalten, die durch die Teilnehmer kommen, kann ich als Veranstalter dann ja eher weniger steuern. Was ich da aber machen kann, ist, a) den Teilnehmenden einen Überblick geben und b) die Teilnehmenden betreuen und ihnen z.B. Mut machen, dass sie z.B. nicht alles lesen müssen.

        Überforderung durch zu schnelle Taktung
        In allen MOOCs können die Veranstalter die Themenwahl und vor allem Taktung bestimmen. Gerade für die xMOOCs wird zur Zeit oftmals nicht die Menge an Inhalten kritisiert, sondern die enge zeitliche Taktung, die für viele Teilnehmenden der Grund zum Abbruch ist (s. z.B. den Vortrag von Prof. Schulmeister auf der Campus Innovation zu den ;ursen die er untersucht und den Kommentar von Tini Fischer auf Twitter zum openHIP-Kurs:

        openHPI

        Massiv als grosse Menge von Tools
        Dann gibt es noch die Anzahl an Tools (neben der Vielfalt an Inhalten), da könnte man jetzt schauen, ob man sich als Veranstalter auf einige wenige fokussiert um die Teilnehmenden nicht zu üerlasten. Dass gerade in cMOOCs hier ganz viele entstehen, ist glaube ich unvermeidbar (je nach Thema und Teilnehmerschaft). Aber wie ich an anderer Stelle geschrieben habe, entstehen auch in xMOOCs sicher viele Untergruppen, im Unterschied zu den cMOOCs werden die vielleicht einfach nicht so sehr sichtbar, da sie nicht so sehr über z.B. Tools wie Twitter mitgeteilt werden (Twitter spielt eine ganz wichtige Rolle zur Zeit in den cMOOCs mitzuteilen, was an den verschiedenen Orten so passiert. Es hilft so auch den Veranstaltern z.B. Links auf diese Orte zusammenzustellen und den Teilnehmenden für sie interessante Inhalte zu finden, … kann aber eben auch diese Fülle sichtbar machen und erschlagend wirken. )

        Anforderungen an Teilnehmende
        Ich hatte das im Blog von Sibylle Würz kommentiert, der ist leider noch nicht freigegeben, daher hier der Kommentar nochmals:

        „Ich glaube, es gehört auch zu den wesentlichen Lernkurven der Teilnehmenden, sich zu fokussieren und zu lernen, dass man nicht alles lesen und gelesen haben muss, um sich beteiligen zu können. Also auch die Fähigkeit, sich einzelne Schwerpunkte zu setzen, sich zu fokussieren.

        Es gibt einen Punkt in cMOOCs, da können die Veranstalter den Überblick für die Teilnehmenden nicht mehr komplett herstellen, es wird einfach zu viel, gerade bei einem MOOC wie diesem her mit einer so aktiven, medienkompetenten Teilnehmergruppe. Das war bei dem Thema auch nicht anders zu erwarten.

        Daher kann der Veranstalter dann a) nur noch eins machen: neue, quasi “jungfräuliche” Anknüpfungspunkte und einstiegspunkte schaffen, was den Teilnehmenden Gelegenheit gibt, neu oder wieder einzusteigen. Das geht leichter, wenn z.B. Wochenthemen nicht aufeinander aufbauen, man sich also auch später beteiligen kann, ohne das Gefühl zu haben, alles vorher gelesen haben zu müssen.

        Und b) zugleich die Teilnehmenden immer wieder versichern, dass man einsteigen darf,ohne alles alles gelesen haben zu müssen.

        Teilnehmende gehen unterschiedlich mit diesem Gefühl um, der eine meint, alles gelesen haben zu müssen, um einzusteigen, der andere ist das entspannter und springt einfach rein. meiner Erfahrung nach, sind das ganz subjektive Punkte, die mit denen jeder Teilnehmer anders, d.h. ganz unterschiedlich umgeht.

        Daher glaube ich, neben dem Struktur und Überblick geben, was eben irgendwann kaum noch geht, ist es eben auch möglich, einfach immer neue Nullpunkte im Sinne von Einstiegsmöglichkeiten zu geben, wenn das thematisch möglich ist (also die Themen nicht curricular aufbauen).

        Ansonsten müsste man klare Ausdifferenzierungen schaffen, in die man einstiegen kann wie z.B. Schwerpunkte wie sie hier entstehen “MOOCs in der Schule”, “MOOCs im betrieblichen Lernen”. usw.“

        Rolle der Veranstalter
        Das führt uns ja nochmals zur Rolle der Veranstalter. Dazu hatte ich hier auch schon mal eine Übersicht gegeben:

        • Neben der Organisation des Kurses,
           
        • der Entwicklung eier Zielsetzung (so offen die sein mag), eines Curriculums und damit der Kursstruktur (z.B. Taktung),
           
        • dem Vorbereitung/Bereitstellung von Inputs und ggf. dem Einladen und der Betreuung von Referenten (z.B. inhaltliche Abklärung, Tstläuft, technische Unterstützung usw.)
           
        • Bereitstellung der Technik,
           
        • ggf. der Moderation, Freigabe von Beiträgen, dem Sortieren, Überblick geben, Fragen beantworten,
           
        • Organisation: Referenten einladen, Rollen vergeben usw.
           

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