How to MOOC I – Eine Frage des Kursdesigns: Sequenzierung der Inhalte?

Ich bekam heute die Frage rein:
„Bitte gib mal ein Beispiel für einen sequentierten cMOOC“

Ich denke, alle Kurse, deren Wochenthemen inhaltlich aueinander aufbauen, sind in diesem Sinne sequentiell. Kurse, die also Inhalte der Vorwoche in der folgenden voraussetzen (bzw. das Themas. Letztendlich sprechen wir von Inhalten/Themen, die in einer zeitlichen Sequenz im Fokus sind, nicht von Wochen).

D.h. oftmals werden nicht alle Inhalte vorausgesetzt (bei einem cMOOC wie dem MMC13 ist das ja auch gar nicht möglich, aber zumindest wird vielleicht erwartet, erhofft, dass die Teilnehmenden einen „Grundstock“ an Wissen im ersten Themenblock aufbauen, den sie in die anderen Einheiten mitnehmen.

So sind die meisten Kurse unter [s. Link] meist sequentielle MOOCs, d.h. in kann in Woche 3 zwar einsteigen, aber es ist schwerer dem zu folgen, wenn ich die Inhalte in Woche 1 nicht angehört/gelesen habe und mir zumindest ein inhaltliches Grundwissen in der ersten Phase/Woche angeeignet habe.

S. dazu z.B. das Kurscurriculum von PLENK2010 und CCK2011.

Dies würde diesem Konzept entsprechen, wenn man es visualisiert (sequentielles Kursdesign):

Wobei das Ausmaß, wie weit man die Inhalte aus Woche 1 in Woche 2 usw. „braucht“ unterschiedlich sein kann.

Das unterscheidet für mich z.B. einen „Kurs“ auch unbedingt von einer „Tagung“, da eine Tagung meist nicht so einen inhaltlichen Aufbau, in der man plant, „jemand muss das und das verstehen/eine Vorstellung bekommen“ o.ä., um in Woche 3 dies und das diskutieren zu können hat. (Dies und das = Inhalte, Konstrukte, Konzepte usw.)

Ein anderes Setting wäre ein solches schwach/wenig sequenziertes Kursdesign

Dem würde ich beispielsweise den MMC13 zuordnen: Hier ist es ist hilfreich, die Inhalte der Themenwoche/Thema 1 zu kennen, wenn man in Themenwoche/Thema 2 ist, aber für die Teilnahme an Thema 3 und 4 reichen ebenfalls die Inhalte aus Woche 1 aus, d.h. man muss nicht Woche 1-3 mitgemacht haben, um in Woche 4 einzusteigen. Es würde reichen, sich ggf. nochmals in Woche 1 was nachzulesen. So kann man sich z.B. auch einfach zu einem hinteren Thema vertiefen.

Da würde z.B. für die Kursgestaltung auch bedeuten, dass man Experten einladen und „hinten“ einsetzen kann, die vielleicht gar nicht die Inhalte aus Woche 2 und 3 kennen, sondern ein ganz anderes Thema behandeln. Setzt man in einem sequentiellen Kurs jedoch Experten in den späteren Wochen ein, geht man wahrscheinlich davon aus, dass sie aufgrund ihrer Expertise die Schriften, Beiträge anderer Experten usw. aus den vorherigen Wochen kennen und die schnell rezipieren, einfach wenn sie die Namen und Titel der Beiträge der anderen, ihnen vorangegangenen Experten sehen).

Ein sequentieller Kurs bedeutet auch, dass die Teilnehmenden in Woche 3 und 4 viellleicht hoffen oder gar erwarten, dass die anderen Teilnehmenden, mit denen sie sich von Woche zu Woche, gewissen Inhalte, Inputs, Texte aber vor allem kollektive Verhandlungsprozesse (soweit sichtbar, Überschaubar) der Vorwochen kennen. Das kann auch ganz unbewusst sein, wäre aber z.B. wenn jemand sich wundert oder genervt ist, wenn ein anderer in Woche 4 nochmals nach dem Unterschied xMOOC und cMOOC fragt und man dann denkt (nur denkt, nicht sagt), „das hatten wir doch schon vor 4 Wochen geklärt, hast Du das denn nicht mal nachgelesen, statt hier zu fragen?“. Kann ja sein, dass dann trotzdem das jemand der Person nochmals nett erklärt oder sie auf einen Link verweist, aber irgendiw emöchte die Gruppe mit dem wachsenden Wissen vorangehen (in cMOOCs. In xMOOCs bleibt das Wissen eher individuell, nicht „gemeinsam erlebbar“. Ein cMOOCs macht die „Verhandlung“ der Wissenskonstruktion und des Wissenszuwachses viel mehr sichtbar durch seinen Fokus auf die Kommunikation, das Aushandeln und Mitteilen).

Ganz anders die Themenwahl der MOOCs wie beispielsweise OPCO11, OPCO12 und das Funkkolleg. Hier sind die Themen nur wenig bis kaum miteinander verbunden, Ein- und Ausstiege jederzeit möglich und es kann sein, dass Personen sich nur in bestimmten Themen beteiligen (das geht bei den anderen Kurses auch, aber dann eher nur für die „vorderen“ Themen. Erst „hinten“ eizusteigen kann ohne Vorwissen ggf. achwierig sein, aber bei diesen Kursen hier geht das absolut leicht (nicht-sequenzierter Kurs):

Was bei den sequtentiellen Kursen gut geht ist, z.B. nur bis zu einem bestimmten Punkt drin zu bleiben. Hinter einzusteigen ist dagegen ggf etwas mühsamer.

Dies hilft, um a) Kurse einzuordnen, was aber viel wichtiger ist: b) sie zu planen. Wie ich das gestalte, ob Spät- un Wiedereinstiege leicht, geplant, schwer oder unmöglich (wie z.B. in xMOOCs) sind und wie ich mit Personen umgehe, die „hinten“ einsteigen ist für mich alles eine Frage der Didaktik, ür die das Wort nicht wollen: Kursdesign. (Auch wenn wir keine Didaktik wollen, mache ich mir als verstalter ja implizit oder explizit Gedanken um solche Fragen und die wirken sich auf meine Kursgestaltung, Themenwahl und Betreuung.)

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6 Gedanken zu „How to MOOC I – Eine Frage des Kursdesigns: Sequenzierung der Inhalte?

  1. Hallo Claudia,

    danke für diesen Beitrag, aus dem ich viel lerne (der Prozess dauert noch an). Um nicht zu viel des Lobes loszulassen, hier nun einige kritische Nachfragen und Anmerkungen.

    1. Bei stark sequentiellen Kursen halte ich es dennoch möglich, später einzusteigen. Das erfordert vom Lernenden ein hohes Maß an Motivation, die Grundlagen aus den ersten Phasen nachzuvollziehen, ist aber möglich. Der Kursveranstalter kann den Einstieg zu einer späteren Phase für motivierte Interessenten erleichtern, indem die zuvor erarbeiteten Grundlagen übersichtlich zum Nachschauen präsentiert werden.

    2. Bei schwach/wenig und vlt. auch nicht-sequentiellen Kursen kann demgegenüber die Dynamik der ersten Wochen dazu führen, dass die Themen der ersten Wochen sehr wohl relevant werden für die kommenden Phasen, auch wenn das die Organisatoren gar nicht beabsichtigt haben. Zum Beispiel kann ich mir gut vorstellen, dass die Themenwoche „OER“ sich sehr stark auf das Themenfeld „Didaktik“ beziehen könnte und die Aktiven der nächsten Woche immer wieder darauf zurück kommen. Das kann die Hürde für einen Einstieg erhöhen, auch wenn das von den „Kursdesignern“ gar nicht beabsichtigt war. Dementsprechend gilt auch hier: Einstiegserleichterungen durch leicht auffindbare Schlüsselbeiträge der ersten Wochen schaffen kann helfen.

    Ist ein xMooc wirklich von vornherein darauf ausgelegt, einen späteren Einstieg unmöglich zu machen? Oder gibt es nicht doch einen didaktischen Ansatz, der sogar das möglich macht?

    Viele Grüße
    Katja

    • Hallo Katja

      Du schreibst:
      „1. Bei stark sequentiellen Kursen halte ich es dennoch möglich, später einzusteigen. Das erfordert vom Lernenden ein hohes Maß an Motivation, die Grundlagen aus den ersten Phasen nachzuvollziehen, ist aber möglich. Der Kursveranstalter kann den Einstieg zu einer späteren Phase für motivierte Interessenten erleichtern, indem die zuvor erarbeiteten Grundlagen übersichtlich zum Nachschauen präsentiert werden.“

      Absolut! Ich denke, es ist nun eine Frage des Veranstalters, wie er/sie das z.B. durch eine übersichtliche Ergebnissicherung und z.B. Themenzuammenfassungen, die gut zu finden sind und eine gute Strukturierung der Inhalte ermöglicht. Zweitens ist es auch eien Frage der Ansprache, ob ich immer wieder neue Lernanlässe schaffe mit denen man gut einsteigen kann oder z.B. sprachlich so formuliere, dass sich Einsteiger eher abgeschreckt fühlen. Es kann ja auch sein, ich will als veranstalter gar nicht, dass hinten viele noch einsteigen oder einen gewissen Aufwand zu machen, sich Lücken auszugleichen oder das Wissen mitzubringen. Es kann ja auch sein, dass man die belohnen möchte, die bis hierhin mitgegangen sind und denen „erlaubt“ auf deren bis dahin erreichtem Niveau zu diskutieren. Das betrifft z.B. die Frage die Dörte hier stellt: „#MMC13 – Findet dieser MOOC zu sehr auf Twitter statt?“. Da geht es zwar nicht nur um eine inhaltliche Diversität zwischen Teilnehmenden, sondern um die frage der Teilnahmeintensität und Gruppenbildung. Und da kann man jetzt als Veranstalter schauen, ob man denen, die nicht so viel Twittern, berichtet, was da so gewtittert wurde (dasselbe könnte man ja mit den Google+ Diskussionen machen, die stehen genauso im Netz, aber kein Mensch kann das alles nachlesen). Heisst: es ist absiolut Aufgabe des Lernenden, sich in einem cMOOC zu managen und sich nicht beim Veranstalter zu beschweren „ich komm nicht mit“ .. d.h. in dem Fall aber nicht: ich muss alles lesen, sondern vielmehr: ich muss mit dem Gefühl klar kommen muss, nicht alles gelesen zu haben

      s. weitere Beiträge zu dem Thema z.B. MMC13 -2- Über Gastgeber, Motivation, Professionalität und Co.
      und die Diskussion in Google+ hier (weitere sind in der Übersicht hier verlinkt).

      • Hallo Claudia,

        bin ganz Deiner Meinung – die Verantwortung liegt beim Lernenden und die Fähigkeit, „mit dem Gefühl klar [zu] kommen, nicht alles gelesen zu haben“ ist wichtig für eine erfolgreiche Mooc-Teilnahme.

        Wie ist es aber mit der Bewertung des Moocs generell? Also, je nach Interessenslage des Veranstalters ist dies ja eine entscheidende Frage. Du beschreibst verschiedene mögliche Absichten eines Veranstalters:

        „Es kann ja auch sein, ich will als veranstalter gar nicht, dass hinten viele noch einsteigen oder einen gewissen Aufwand zu machen, sich Lücken auszugleichen oder das Wissen mitzubringen. Es kann ja auch sein, dass man die belohnen möchte, die bis hierhin mitgegangen sind und denen “erlaubt” auf deren bis dahin erreichtem Niveau zu diskutieren.“

        Bei der Planung eines Moocs halte ich das für einen wesentlichen Punkt: Ich muss mir über meine eigenen Absichten und Einstellungen klar werden. Denn die Offenheit, die ein Mooc mitsichbringt, beleuchtet diese Einstellung womöglich irgendwann auch im Laufe des Moocs öffentlich. D. h. die Teilnehmenden fangen irgendwann an, die Planung, die Angebote – die Organisation – zu reflektieren. Und zu bewerten. Je mehr Moocs es geben wird, desto mehr Vergleichsmöglichkeiten enstehen auch. Die Frage: „Was macht meinen Mooc zu einem guten Mooc?“ verschiebt einen Teil der Verantwortung für die Bildungsprozesse zum Anbieter.

    • Und: ja zu Deiner Aussage 2 stimme ich dir auch absolut zu… meinen Beitrag hatte ich eher aus der Perspektive der Vorbereitung, Planung, Konzeption eines MOOCs geschrieben.. dass dann alles mögliche passieren kann und das gerade beim cMOOC unvorhersehbar ist, ist ja gerade das spannend. Er ist dann das, was die Teilnehmenden draus machen.

      Daher versteh ich auch gar nicht so ganz, wieso Du das Thema Kommunikation hinten dran hängen willst (s. Vorschlag hier), sondern es nicht einfach als einen Thread einbringst, so lange der Kurs noch läuft… das steht dir doch frei in einem Kurs? Mich interessiert vielmehr die Frage, was hält dich ab, das einfach zu tun?

      • A. Willst du die Veranstalter, den Hauptfahrplan nicht stören, da ja wochenweise andere Themen schon gesetzt sind?
      • B. Denkst Du, wenn alle das Hauptthema diskutieren, kriegst nicht genug Teilnehmer, da ja alle das Hauptthema starren/verfolgen/sich dort einrbingen?)
      • C. Willst Du gerne das Thema im Hauptstrang am Ende unterbringen um möglichst viele Teilnehmende zu haben?

      Dir steht es doch frei, wie andere Gruppen auch (s. z.B. die Gruppe „MOOCs im betrieblichen Kontext“ einfach zur Diskussion aufzurufen, da werden sich genug Interessierte finden, was hält Dich davon ab? A, B oder C oder was anderes?? Es ist doch alles da, was man braucht: Menschen, Technik/Tools und ein Thema. Bin neugierig, wieso Du lieber eine Verlängerung willst, statt es einfach parallel zu eröffnen und ggf so einen MOOC zu machen:


      • Hallo Kathrin,

        Du schreibst: “Bei der Planung und Konzeption finde ich es wichtig, eben genau diese Unvorhersehbarkeit, aber auch eine absehbare Dynamik vorzubereiten!”

        ich glaube, das geht eher im Sinne von “einplanen, ermöglichen, damit rechnen….” und später dann die Entscheidung, wie weit ich dezentrale Prozesse zentral abbilde und sichtbar mache oder nicht… (z.B. durch Blogaggregator, Zusammenfassung, Twittermeldungen usw.)

    • Deine letzte Frage: „Ist ein xMooc wirklich von vornherein darauf ausgelegt, einen späteren Einstieg unmöglich zu machen? Oder gibt es nicht doch einen didaktischen Ansatz, der sogar das möglich macht?“

      Nein, nicht mit Absicht. Ab da xMOOCs oftmals das ganz konkrete „Erlernen“ von etwas (Informatik), Wissenserwerb, Verstehensprozesse von Konzepten zum Ziel haben, bauen die Inhalte natürlicherweise mehr aufeinander auf… man könnte immer später einsteigen, wenn man sich alles von den vorherigen Wochen aneignet oder schon mitbringt… darum ging esmir aber nicht.. mir ging es darum, dass der Veranstalter durch

      1. sein Konzept und
      2. die Art der Betreuung und
      3. auch die Wahl der Tools um z.B. Übersichtlichkeit herzustellen

      durchaus im Vorfeld (und während des Kurses) bewusste Entscheidungen trifft, wie er/sie sich das Kursgeschehen so vorstellt und das beeinflusst auch das was geschieht… und glaube, ich wünsche mir, dass wir uns bewusster werden, wie wird durch das Kursdesign auf das wirken, was dann tatsächlich passiert, auch wenn e sein cMOOC ist und da die Teilnehmenden natürlich viel mehr Einfluss auf das haben, wie das Kursgeschehen dann verläuft, es ja quasi mitgestalten.

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