Was macht den MOOC zum MOOC ? – die zweite

An alle erst mal herzlichen Dank für die Kommentare zum Beitrag „Wann ist der MOOC ein MOOC?“, die wertvoll für mich waren. Damit würde ich gerne einen Schritt weiter gehen und die Elemente des MOOCs nochmals rausarbeiten, die ja auch schon auf der MOOC Martix des MMC13 wiederfinden und am Ende des MOOCs bestimmt Teil des „How To MOOCs Wikis“ werden.

  • MOOCs haben im Unterschied zu Online Communities eine Art „Lernziel“, eine didaktische Intention. Das grenzt sie von temporären im Netz sich vernetzenden Gruppen ab. Bei den xMOOCs fällt es uns sicher weitaus leichter diesen Unterschied zu sehen als bei den cMOOCs, die diese Ziele oftmals kaum oder kaum explizit haben. So haben wir im OPCO11 und OPCO12 solche Ziele fast gar nicht definiert. Im OPCO12 waren zwar über die Badges bestinmte Aktivitätslevel für die Teilnehmenden bestimmt, bei deren Erfüllung sie eine Teilnahmebestätigung erhielten, trotzdem beschrieb diese eher Teilnehmerverhalten und -intensität, weniger ein Lernziel. Leichter machen es uns da die xMOOCs, die meist solche Ziele expliziter definiert haben. Nichtsdestotrotz werden auch die cMOOCs mit einem solchen didaktischen Konzept angelegt, den daraus leitet sich z.B. eine curriculare Struktur, ein Betreuungskonzept und die Rolle der Veranstalter ab. D.h. Dass Lernen auch in Foren, Communities und anderen online Events aus Sicht der Teilnehmenden stattfindet sei ganz unbestritten. Ich sehe nur den Unterschied in der Intention der Veranstalter. Die, die einen MOOC anbieten, haben eben genau dies auch vor, dass Lernangebote gemacht werden, Lernanlässe geschaffen werden, und das macht für mich das Wort „Kurs“ oder „Course“ am Ende des MOOC Begriffes aus.
     
  • Der Hauptunterschied von MOOCs, vor allem den cMOOCs zu den Communities (die xMOOCs machen uns da weniger Schwierigkeiten in der Abgrenzung) scheint mir neben einem ggf vorhandenen und mehr oder weniger expliziertem Lernziel in dem Curriculum zu liegen, das von den so genannten Course Facilitators oder Veranstaltern im Vorfeld entwickelt wird und das in die z.B. die thematische Strukturierung des Kurses und so die wöchentliche oder zweiwöchentliche Bereitstellung von Expertenbeiträgen mündet.
     
  • Die so genannten Course Facilitators oder Veranstalter haben darin eine Rolle, die sich in den cMOOCs zwar ggf. nur wenig von der Rolle eines Moderator einer Facebook- oder Xing-Gruppe (also einer Gruppe in irgendeinem sozialen Netzwerkwerk) unterscheidet:
    • Neben der Organisation des Kurses,
    • der Entwicklung des Curriculums und der Kursstruktur (z.B. Taktung),
    • dem Setzen von Inputs und Einladen von Referenten,
    • Bereitstellung der Technik,
    • ggf. der Moderation, Freigabe von Beiträgen, dem Sortieren, Überblick geben, Fragen beantworten,
    • Organisation: Referenten einladen, Rollen vergeben usw.
    • ist es ggf. eine intensivere oder auch andere Betreuung als bei Moderation eines Gruppe in einer der sozialen online Communities

    . Der Hauptunterschied ist womöglich, dass sich diese Rolle auch in cMOOCs aufgrund der Vorhandenenseins eines didaktischen Konzeptes eben von der Moderationsrolle in einer losen Community unterscheidet, da es eben ein Curriculum, eine Art von Wissensvermittlung durch Inputs gibt, auf das man sich als Veranstalter bezieht (so zumindest erlebte ich den Unterschied in der Betreuung solcher Kurse versus von online Gruppen).

  • Stephen Downes bringt noch in einem Beitrag, denn er gerade gestern publiziere, noch den Aspekt des Aktivierens der Teilnehmenden, der Lernenden in die Definition ein:

    „Additionally, my understanding is that for the course to be a *course* it has to be more than just a broadcast. Otherwise, ‚Adventure Planet‘ is a MOOC. Or National Geographic Magazine is a MOOC. A course actually requires these interactive and skills development activities, rather than simply consumption of content.

    Quelle: Stephen Downes: What Makes a MOOC Massive?, 17.1.2013

    Ich finde das einen sehr sehr spannenden Aspekt: Als Kursveranstalter plane ich also eine bestimmte Aktivierung der Lernenden, ich lege den Kurs so an, dass Teilnehmeraktivität entweder sein sollte (wie bei xMOOCs durch die verbindlichen Aufgaben, Quizzes usw. die auch das Anschauen der Videos initieren und eine Überprüfungs des Lernfortschritts ermöglichen) oder wie sie viel offener bei den cMOOCs sein können. Das ist das, was wir in der Lehre unter didaktischer Konzeption verstehen: Das Einsetzen von Methoden, und was in dem MMC13 ja noch in der zweiten Woche Thema sein wird. Gleichzeitig glaube ich reicht das einfache Initiieren von Aktiviäten nicht, wenn diese Überlegung nicht an eine Zielsetzung gekoppelt ist, also die Überlegung, dass wenn der Lernenden dies und das macht, er dies und das lernt. So hatten wir zwar z.B. im OPCO12 die Online Bagdes, diese können bleiben aber auf dem Level von Teilnehmerverhalten, wenn sie nicht an ein Ziel gekoppelt sind, was man meint, dass durch Erfüllung der Aktivität gelernt werden könnte. Dass die cMOOcs auch an dieser Stelle viel offener und weicher bleiben als die xMOOCs ist glaube ich mehr als deutlich… die Frage ist: haben cMOOs eigentlich überhaupt solche Lernziele? Ich sehe diese oftmals ganz stark in dem Bereich der „Ermöglichungsdidaktik“ eingeordnet, die Lernen initieren kann, aber nicht muss und es obliegt vollständig dem Lernenden, wieviel er oder sie sich einbringt, während in xMOOCs das schon bedeuten kann, dass man aus dem Kursgeschehen in seiner engen Taktung ausstiegt. Das sind noch ganz ganz spannende Fragen für die Didaktik-Woche.

  • Dann hat uns noch die Frage des massiv beschäftigt… Spannenderweise ist genau gestern ein Beitrag von Stephen Downes zu der Frage erschienen: What Makes a MOOC Massive?. Er beschreibt darin, dass er die so genannte Dunbar Zahl nicht auf die Zahl der Angemeldeten allgemein, sondern eher auf die aktiven Teilnehmenden bezieht, und es sich auch um eine grosse Menge Material, Tools usw. handelt in MOOCs.
    „So what is essential to a course being a *massive* open online course, therefore, is that it is not based in a particular environment, isn’t characterized by its use of a single platform, but rather by the capacity of the technology supporting the course to enable and engage conversations and activities across multiple platforms.“

    „But, in fact, to be a massive course, it must needs respect a wide variety of individual objectives, perspectives on course materials, and opinions about relevant topics of discussion (not to mention technological platform and language of ‚instruction‘).“

    Quelle: Stephen Downes: What Makes a MOOC Massive?, 17.1.2013

    Dabei weist er jedoch auch auf die Gefahr hin, das gerade bei sehr grossen Teilnehmerzahlen am Ende nur eine kleine Gruppe, der so genannte „inner circle“, aktiv ist:

    The big danger, to my mind, in a large online course is that through strong group-formation activities, it can become a small online course. This happens when a central clique or insider group is formed, or where you have inner circles and outer circles. The inner circle, for example, might expect and demand preferential access to and individual attention from the course facilitators.

    Ich selbst glaube, dass es gar nichtso entscheidend ist, ob die Teilnehmerzahl nun 150 überschreitet oder nicht, ob man den MOOC als MOOC ankündigt und dann weniger Teilnehmer hat oder nicht… (nein, man muss ihn dann nicht umbenennen ;-)) … Ich glaube vielmehr, dass sich der Begriff MOOC als Label etabliert hat, der die Teilnehmenden ein bestimmtes Kursformat, nämlich irgendwas in der Skala zwischen xMOOC und cMOOC (s. Kategorien) erwarten lässt und damit

    • a) den potentiell interssierten Teilnehmenden Orientierung gibt, was hier ggf. zu erwarten ist
    • b) bei der Vermarktung und Werbung im Sinne von Mitteilung hilft und
    • c) natürlich auch zur Zeit noch als Label Aufmerksamkeit ezeugt, gerade im deutschsprachigen Raum, wo die Zahl noch sehr übersichtlich ist (s. hier).

MOOCs und die sozialen Netzwerke und Web 2.0 Tools
Ich möchte gerne zum Abschluss noch auf einen der Kommentare eingehen, der auf den Beitrag „Wann ist der MOOC ein MOOC?“ reinkamen vielen Dank an alle dafür!

Martin Lindner schrieb, dass „im Gegensatz zu früher das netz, [heute] also das was man früher “web 2.0″ nannte, als “aufenthaltsraum” für eine größere masse (sic) von leuten.[dient] vorher war das ein “kanal”, jetzt ist es ein medium, das man nicht “benutzt”, sondern in dem man schwimmt.“.

Allein die Web 2.0 Technologien stellen sicher einen Übergang zu früheren reinen online Kurs-Konzepten wie Akademie.de her, die ich in meinem Beitrag verglich. Trotzdem würde der Einsatz von Web 2.0 Tools durch die Teilnehmenden oder besser, dass die Kurs-Facilitatoren damit rechnen, dass die Teilnehmenden Web 2.0 Tools nutzen, noch keinen MOOCs ausmachen? Was sicher stimmt ist, dass in cMOOCs wie diesem hier, dies ein zentrales Element ist, mit dem die Veranstalter rechnen und das auch wollen. In xMOOCs dagagen wird das ja weniger forciert, es findet zwar statt, wird aber nicht aktiv mit dem Hauptkurs verlinkt wie das z.B. die Veranstalter hier durch Kursaggregatoren, andere Tools, Twitter und auch per Handarbeit machen. In vielen xMOOCs werden vielmehr einfach nur Foren eingesetzt, damit die Teilnehmenden sich vernetzen und gegenseitig helfen können, was darüber hinaus an Vernetzung passiert, ist ausserhalb des direkt durch die Veranstalter integrierten und sichtbar gemachten Kursgeschehens.

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3 Gedanken zu „Was macht den MOOC zum MOOC ? – die zweite

    • Lernziel in MMC13 könnte sein: den Teilnehmenden Gelegenheit geben, einen MOOC zu erleben, Erfahrungen mit kostenfreien Tools sammeln, mit denen man einen MOOC umsetzen kann, MOOCs aus verschiedenen Aspekten beleuchten, …da müssen wir am Ende am besten die VeranstalterInnen fragen.

      Ich bin da auch am Schauen, was in der Präsenz der Unterschied z.B. Workshop – Tagung ist. Workhop hat Didaktik, Tagung eigentlich nicht, eine Tagung hat aber auch eine Zielsetzung. Auch der MMC13 hat eine Idee zur anvisierten Zielgruppe, eine bewusste Auswahl von Tools (da kamen später viele dazu, aber so wurde sich z.B. bewusst gegen eine Lernplattform, gegen die Aggregierung der Teilnehmerbeiträge in einem zentralen Blog o.a. entscheiden (später haben sie sich entscheiden, die Beiträge zumindest aufzulisten, dann kam noch die thematische Sammlung eine woche später dazu um Übersichtlichkeit herzustellen), also alles i.S. einer Ermöglichungsdidaktik. In dem Bild hier hab ich auch den MMC mal ganz den rechts geschoben was für grosse Offenheit in Bezug auf Lernziele usw. spricht (einer genauere Einordnung hatte ja Reich gemacht)

      Für mich stellt sich also die Frage: was ist der Unterschied eines cMOOCs wie #MMC13 zu einer Tagung oder istb das quasi eine Online Tagung/Konferenz mit viel Ausprobiercharakter. Ist der MMC13 mehr Konferenz, BarCamp als ein Kurs (da müsste man hinten ja das „Course“ weglassen), ab wann hält Didaktik Einzug in ein Konzept (da eine Tagung ja quasi keine Didaktik hat)… wo ist der Übergang von Tagung zu Workshop … analog von Online Konferenz zu cMOOC (s. dazu auch hier)

      Ich habe übrigens im f-2-f Geschehen auch Formate, die irgendwie zwischen Mini-Tagung und Workshop liegen… für mich macht es den Unterschied aus, ob ich anvisiere, dass die Leute hier was bestimmtes Lernen können, an wen ich mich richte. Bei Tagung denke ich auch eher an Personen mit Vorkenntnissen, Experten sich sich austauschen, bei Workshop eher an jegliches Wissensstand, aber der mögliche, wie auch immer aussehende Wissenszuwachs ist schon intendiert von mir aus im Sinne einer „Ermöglichung“ (s. „Ermöglichungsdidaktik“)

      • „Lernziel in MMC13 könnte sein: den Teilnehmenden Gelegenheit geben, einen MOOC zu erleben, Erfahrungen mit kostenfreien Tools sammeln, mit denen man einen MOOC umsetzen kann, MOOCs aus verschiedenen Aspekten beleuchten,…“ – jetzt wird die Sache für mich klarer. Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen!

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