MOOCs und Lernstil/-präferenzen: Ein Lob der Vielfalt … auch für MOOCs!

Was mich veranlasst, diesen Beitrag zu schreiben ist zum einen Sabine Huebers Beitrag in ihrem Blog, in dem sie schreibt:
 
„Ellenlange Texte sind zunächst einmal demotivierend, vor allen Dingen dann, wenn die einzige Motivation darin besteht, sich auf etwas vorzubereiten zu sollen, das man nicht kennt und von dem man daher auch nicht weiß, ob es einen persönlichen Mehrwert bringt oder nicht. Es braucht einfach zu viel Zeit, lange Texte vor diesem Hintergrund zu lesen. Viel schlimmer noch: Das lange Lesen hält einen von der Zusammenarbeit im Netz ab. Es stört die Interaktion.
 

Verschiedene Lernerpräferenzen
Als Reaktion darauf würde ich gerne verschiedene Lernerpräferenzen differenzieren. Die Vorgehensweise beim Lernen die der eine präferiert, muss nicht für den anderen Lernenden gelten. Den einen Lernenden motiviert es, über soziale Kontakte Impulse zu erhalten, die ihn steuern/lenken, was er/sie dann liest – so wie für Sabine solch ein sozialer Austausch beim Lernen wichtig ist, wie sie schreibt „Das lange Lesen hält einen von der Zusammenarbeit im Netz ab. Es stört die Interaktion.“
 
Zugleich haben andere Lerner die Präferenz, sich erst mal die Theorie, ein konzeptionelles Konstrukt anzueignen, bevor sie mit anderen Lernenden in den Austausch treten. Das sind z.B. die, die nach einem Vortrag nicht direkt ein Paargespräch führen oder in eine Gruppenarbeit einsteigen wollen und da dann eher erst mal ruhiger sind (wir Lehrenden denken dann oftmals, diese Lernenden seien schüchtern, faul oder nicht so richtig engagiert.) Tatsächlich kann sein, dass sie gerade noch das eben gehörte heftigst kognitiv prozessieren … solch einem Lerntyp kommt dann in einem online Setting die zeitliche Selbststeuerung entgegen, z.B. erst am nächsten Tag in einem Forum reagieren zu müssen.
 
Der Kolb Lernzyklus
Aufschluss gibt hierzu der Kolb Learning Circle,

den ich mal verwendet habe, um mit Studierenden eine Untersuchung in Bezug auf online Lernformate durchzuführen und es zeigten sich ganz deutliche Unterschiede, wann der einzelne gerne eine Gruppenarbeit macht, sich lieber alleine eine Theorie aneignet usw. d.h. Kolb Test zeigte auch verschiedene präferierte Einstiegspunkte in Lernprozesse.
(Übrigens existieren Studien, gerade in USA, die zeigen, dass diese Präferenzen auch auf die Fächerwahl wirken, bzw. dass sich in bestimmten Fächern bestimmte Lernstile häufen. D.h. der/die typische Physik- oder Mathematikstudent/in ist ggf. etwas anders ausgeprägt als jemand der Sozialwesen studiert.)
 

Motivationsfaktoren beim Lernen
Was meiner Meinung nach auch eine Rolle spielt, sind unterschiedliche Motivationslagen.

  • Soziale Aspekt über peers – Den einen motiviert das Lernen mit und durch andere mehr, d.h. er/sie möchte mit anderen, im sozialen Austausch lernen
  • Die Sache/das Fach  – der andere präferiert vor allem die stille Vertiefung in die Sache/ins Fach z.B. in ein Buch und
  • Betreuung durch Lehrende – die dritte Dimension ist vielleicht die Betreuung durch Lehrenden, d.h. Lob, Anerkennung, Feedback quasi „von oben“

Wir alle brauchen und erleben als Lernende Motivation durch diese verschiedene Faktoren, die einzelnen Faktoren spielen nur eine unterschiedlich grosse Rolle bei den einzelnen Lernenden.
 
Weitere Faktoren
Natürlich spielen auc weitere Faktoren eine Rolle für die Motivation wie z.B. Selbstausdruck, kognitive Dissonanz usw. und auf das vom Lerner präferierte Setting und für sein Lernverhalten wirken sein Vorwissen, die Vorkenntnisse usw. Beim berufsbegleitenden Lernenn stellt sich auch ggf. die Frage, wie der berufliche Alltag des Lernenden eigentlich aussieht. Bin ich tagsüber alleine oder habe ich viele Menschen um mich? Möchte ich beim Lernen dann lieber eine Gruppe haben oder dann endlich mal alleine sein nachdem ich im Job unter Menschen bin? usw.
 
Was mir persönlich in meinen Workshops als Lehrende immer Freude bereitet ist, diese Präferenzen in meinen Seminaren mit den Lernenden aufzudecken und zu besprechen und ihnen so mehr Bewusstsein über das eigene Lernverhalten zu ermöglichen.
 
Fazit und die Konsequenz für MOOCs
Daher glaube ich ganz einfach, das die verschiedenen Kursformate und Lernsettings unterschiedlich gut für diese einzelnen Lernstile und -präferenzen geeignet sind.Wo der eine ungestört von anderen im xMOOC lernen möchte, braucht der andere eben den Austausch mit vielen peers wie sie die cMOOCs initiieren.
 
Aufgrund dieser unterschiedlichen Präferenzen brauchen wir unterschiedliche Kursformate und keins ist damit per se besser oder schlechter als andere. Natürlich können innerhalb der einzelnen Formate ganz praktische handwerkliche Fehler gemacht werden wie z.B. eine unzureichende Aufklärung des Lerners darüber, was man hier erwarten kann usw.. Nur die Kursformate selbst, also xMOOCs versus cMOOCs, die Bereitstellung von Texten und Videos versus sozialer Interaktion an sich, sind meiner Meinung nach nicht besser oder schlechter.
 
Daher meinerseits ein Lob der Vielfalt, auch für die MOOC Formate, aus der die Lernenden dann das für sie passende Format aussuchen können!

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2 Gedanken zu „MOOCs und Lernstil/-präferenzen: Ein Lob der Vielfalt … auch für MOOCs!

  1. Liebe Claudia,
    ich war zunächst verwundert, wie der Kolb Lernzyklus unterschiedliche Lernstile erklären soll. Die für mich entscheidende Information war, dass zwar beim lernen zwar der gesamte Prozess durchlaufen wird, Lerner aber den Einstiegspunkt in den Prozess an unterschiedlicher Stelle ansetzen.
    (P.S. Bitte meinen Namen mit ue und ohne n schreiben 😉 Danke.

    • Sorry, Sabine, das mit deinen Namen ist wie ein Automatismus aus ues, üs z machen 😉

      Ja, in der Tat, der eine möchte erst die Theorie, dann die Praxis, der andere kann nicht lange in der Theorie gehen und braucht schnell ein paar Beispiele oder eine praktische Erfahrung, um sich das besser vorstellen zu können, wärhend die erste Gruppe lieber erst die Theorie verstanden haben möchte, bevor sie z.B. Hand an die Praxis legt z.B. im Labor. Aber: wir haben auch Präferenzen, was wir am meisten erleben wollen beim Lernen z.B. Praxis, theoretische Konzepte, alleine lernen, in Gruppen lernen, usw… d.h. nicht alle wollen von allen Teilen des Zyklus gleich viel erleben beim Lernen. Und das erklärt dann zum Teil auch Studien- und Berufswahl so Untersuchungen mit Kolb in USA. Während dies auf die Neigung im Beruf/Studium auswirkt, so denke ich, dass – neben dem Vorhandensein von z.B. Vorkenntnissen (ich glaube xMOOCs geben auch bessere Einstiege in ein Themenfeld als ein cMOOC wie z.B. der MMC13, der einen Einsteiger ggf durch die Fülle an Aktivitäten und Breite der Tools, Orte usw. schlichtweg überfordert) auch die Vorliebe WIE man lernt sich auf eine Präferenz auswirkt, ob ich lieber einen xMOOC mit klaren Vorgaben und Zielen oder einen cMOOC mit unklareren Vorgabenm Betteiligungsmöglichkeiten und mehr Kommunikationsanlässen bevorzuge. Das meinte ich, wie die individuellen Lernpräferenzen auf die Eignung und bewertung eines Lernenden für einen MOOC-Format auswirken.

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