Wann ist der MOOC ein MOOC?

Vor einigen Stunden fragte ich auf Twitter: Wieso etwas als Anbieter MOOC bezeichnen statt als Online Kurs, wenn sie vorher gar nicht wissen, ob er so gross wird?

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Es ging mir dabei gar nicht um Regeln, sondern vielmehr um ein besseres Verständnis des Phänomen der MOOCs. Da mir Twitter so wenig Platz gibt, auf die Reaktionen zu antworten, ein paar Gedanken an dieser Stelle:

Mich fasziniert eher, dass wir im Prinzip das Konzept eines Online Kurses schon seit Jahren haben, sicher seit ca. 15-20, es aber jetzt so sehr gehypt wird. Und das meine ich gar nicht wertend, sondern wirklich eher im Sinne: dem Phänomen auf der Spur sein.

Die verschiedenen Ausprägungen von MOOCs oder eben auch den „Nicht-MOOCs“ auf der Spur zu sein, hilft uns, auf jeden Fall mir, vielleicht auch, besser zu verstehen, was denn ein genau MOOCs ist. Und da es sich um einen MOOC Maker MOOC handelt, also auch ggf. um eine Anleitung, wie mache ich einen MOOC, wenn ich selbst einen durchführen möchte oder der Kurs hier zumindest einen Hinweis darauf geben soll, dass wenn ein echter MOOC vor mir steht, ich ihn zumindest als solchen erkenne, also nochmals die Frage: Wann ist ein MOOC ein MOOC?

Mir geht es da auch wie gesagt, weniger um Regeln, sondern ein Verständnis, die Besonderheiten von MOOCs herauszuarbeiten, um für die, die welche durchführen wollen, Orientierung zu geben. (Am Ende ist es ja auch im Prinzip egal, wenn man etwas anbieten möchte, wie es dann heisst, Hauptsache man beschreibt, was man denn anbieten wird, was die Teilnehmenden zu erwarten haben, erwarten können, was da auf die zukommt, wenn sie mitmachen wollen, ob sie mitgestalten können usw.)

Mir hilft es da, MOOC ähnliche Phänomene, von denen ich vielleicht gar nicht weiss, ob sie ein MOOC sind, welche, wo man sich nicht sicher ist, zu vergleichen:

  • Es gibt seit ca. 10-12 Jahren schon die reinen online Kurse auf Akademie.de (s. einen Online Kurs hier). Was sie von MOOCs unterscheidet, ist, dass die Inhalte nicht kostenfrei im Netz stehen, man für die Teilnahme zahlt. Also scheint die Offenheit, das open eine wichtige Eigenschaft zu sein. Was wird dann also mit MOOCs, für die Anbieter irgendwann ggf Geld nehmen, sind das dann keine MOOCs mehr? Und wpfür wird Geld genommen: für Zugriff auf den Content? Ggf. Zugriff auf den Content ja offen, aber man zahlt eine Gebühr für die Teilnahme an der Klausur oder nur für das Ausstellen eines Zertifikates, alles andere ist kostenfrei. Hier könnten sich neue Bezahlstrukturen herausbilden rund um MOOCs. Wird da alles kostenfrei bleiben? Siehe dazu z.B. die Bewegung Richtung bezahlbare Elemente wie Prüfungszulassungen bei Coursera. Einer Frage, der wir ja sicher in der „Geschäftsmodell-Woche“ des MMC13 noch nachgehen werden.
     
  • Nehmen wir die zur Zeit laufende Diskussion des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung „Erwachsenenbildung 2.0“, die vom 9.-23.1.13 im Netz läuft. Was unterscheidet dies von einem MOOC? Erstens: es gibt kein Curriculum, also keine wöchentlichen oder zweiwöchentlichen neuen Themen… ist dies also Kennzeichen eines MOOCs? Ich glaube ja. Zweitens: es gibt keine Lernziele, kein angestrebtes Ergebnis. Aber da wird es schon schwieriger, das haben viele cMOOCs auch nicht, xMOOCs schon (s. zur Differenzierung hier). Also scheinen die wöchentlichen Themensetzunge, das Vorhandenseins eines Curriculums ein Kennzeichen zu sein.
     
  • Vergleichen wir abschliessend die Begleitung des Funkkollegs Medien. Hier gibt es zwar ein
    a) Curriculum von Woche zu Woche,
    b) zwar auch keine Lernziele, aber das haben viele cMOOCs nicht, und
    c) auch mehr als 150 Teilnehmende,
    trotzdem weiss ich nicht, ob ich es als MOOC bezeichnen würde, da die Beteiligung der Teilnehmenden eher gering ist und mir scheint, es eher eine online Begleitung der Sendungen ist, auch wenn es als Online Kurs angedacht war. Hier scheint mir der Unterschied vor allem in der Dimension des Begriffsteils Kurs oder Course zu liegen, also eine Form der intendierten, didaktisch motivierten Lernmöglichkeiten.
     

Und das macht es für mich so spannend und das habe ich rund um die Diskussion „Kurs, Community, … schon mal angerissen. Und die Diskussion führen wir galube ich am meisten im Bereich der cMOOCs, die wir gegenüber einer Community abgrenzen können: Was unterscheidet einen MOOC von einer Gruppe von Experten die Zusammenkommen und in wöchentlich gesetzten Strukturen diskutieren? Für mich macht der Unterschied die Betreuung, es existiert also ein Facilitator/Veranstalter und damit Rollenstrukturen, man richtet sich als Veranstalter nicht nur an den Teilnehmenden auf Expertenniveau, aus, sondern an allen Teilnehmenden, es gibt Dienstleistungen wie Zusammenfassungen, Betreuung usw..

Atkinson schreibt dazu ganz prägnant:
Atkinson

Die MMC13-MOOC-Matrix
Prima sind dabei auch die Kategorien, mit denen das MMC13 Veranstalterteam in der MOOC-Matrix, mit deren Hilfe sie die diverse MOOCs lassen beschreiben, hier Orientierung gibt.

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12 Gedanken zu „Wann ist der MOOC ein MOOC?

  1. da fehlt nnoch der hauptunterschied zu früher:

    das netz, also das was man früher „web 2.0“ nannte, als „aufenthaltsraum“ für eine größere masse (sic) von leuten. vorher war das ein „kanal“, jetzt ist es ein medium, das man nicht „benutzt“, sondern in dem man schwimmt. facebook und iphones waren der durchbruch. dadurch ergeben sich ganz neue möglichkeiten, und genau die testen die MOOCs jetzt aus.

    die lernerInnen sind „frei gelassen“: es sind eben keine Moodle-umgebungen, in denen das stattfindet. dazu gehört natürlich die flut von eleganten, kleinen, leichtgewichtigen tools, die es jetzt dafür gibt. (wobei es für normallerner zu viele sind.)

  2. Die Zusammenfassung finde ich spitzenmässig auf den Punkt gebracht! Besonders beim Punkt „Unterschied zur Community“ bin ich echt ins Grübeln gekommen. Bei dem Punkt „Betreuung“ sehe ich den Unterschied zu einem cMOOC nämlich nicht so sehr. Es gibt da ja auch Moderatoren. Und somit auch eine Rollenstruktur. Ich bin in einem bestimmten Sport-Forum, in dem ich schon so bahnbrechend viel gelernt habe…ganz ohne Curriculum, sondern nur durch den Austausch mit anderen. Aber is das ein MOOC, nur weil 1000 andere dort auch angemeldet sind und mitlernen? Vielleicht ist ein Unterscheidungskriterium tatsächlich die Lernziele. Hatte ich als Besucher des Forums nicht so primär….es ging da mehr um den Austausch mit Gleichgesinnten. Vom #MMC13 hingegen möchte ich schon etwas bestimmtes mitnehmen. Es ist ja auch als ein „Lernvorhaben“ deklariert.

    • Themenorientierte Foren, wie das erwähnet Sport-Forum, können den Mooc´s im Prinzip sehr ähnlich sein, haben in der Regel aber keine festgesetzte Zeitschiene, ihnen fehlt Beginn und Ende als festgesetzte Termine. Vor allem „können“ die Lerneffekte in Foren denen von Mooc´s sehr ähnlich sein, wenn sich zu einzelnen Themen im Forum zeitnah viele Beteiligungen ergeben.

      • Hallo mschaki, hallo Tini, danke für die Beiträge. Ich denke wie Tini schreibt, macht es das Setzen eines Lernziels von den Veranstaltern aus den Unterschied. Während man durchaus auch in anderen Kontexten lernen kann, so ist es aber nicht ein primäres Ziel der Veranstalter, dass das stattfindet, sondern in einem solchen Forum ist vielmehr der Austausch und die Vernetzung Ziel… daher gibt es dann auch nicht so sehr ein strukturiertes Curriculum, das ja z.B. Wissensaufbau, das vom Allgemeinen ins Spezielles gehend oder mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad versehen ist.

  3. Vielleicht gelingt eine Differenzierungsmöglichkeit, wenn man Massive erstens nicht rein quantitativ (Anzahl der TN) und zweitens nicht isoliert betrachtet. Sondern eher qualitativ: massiv open (Jeder kann teilnehmen wie er will, lernen was er will, Tools auswählen je nach Präferenz alles ist möglich und frei entscheidbar etc.) massive online (verteilt über das Netz, überall und nirgends, nicht nur an einem zentralen Ort). Wenn die Kursstruktur dann Massive Open und Massive Online ist, mit allen Freiheiten, dann erst ist der Kurs evtl. selbst ein Massive Open Online Course – der so offen ist, dass man ihn im Prozess einerseits verändern und anpassen kann, und andererseits der Ablauf nicht vorhergesagt werden kann – anders als bei einigen xMOOCs, die in vielen Punkten weniger open und rudimentär online sind. Aber darüber muss ich auch nochmal genauer nachdenken…

    • Liebe Yvonne, genau, den Punkt sehe ich auch: die xMOOCs haben nicht die Offenheit der Tools, bzw. Teilnehmende könnten sicher viele Tools nutzen, aber es würde nicht so sehr in das Kursgeschehen aggregiert werden, wie das in den cMOOCs oftmals (auch nicht immer) geschieht.

      • Ja, genau, diese mangelnde Offenheit stört mich an vielen xMOOCs, weshalb ich oft finde, dass sie den Namen nicht verdient haben bzw. ungerechtfertigter Weise übernommen haben. Das gefühlte Unbehagen einer Massenabfertigung alla Uni 2.0 schleicht sich da ein. Es wird nach wie vor (in einigen, nicht allen xMOOCs) Wissen vorgekaut, was verdaut und wiedergegeben muss. Bei den cMOOCs stehen die Lernenden im Mittelpunkt, experimentieren, haben alle Freiräume zur Interaktion, Wahl der Medien etc. – hier besteht eher das Potential sich als Lerner nach seinen persönlichen Bedürfnissen weiterzuentwickeln und Kompetenzen aufzubauen, die zukünftig notwendig sind, um sich im Dickicht der Informationen zurechtzufinden – das geht nicht, wenn der Weg und die Tools und die Lösungsmöglichkeiten vordesignt sind.

      • Hallo Yvonne,

        ich selbst gehe da gar nicht so eine Wertigkeit gegenüber den xMOOCs ein, wobei wir natürlich unsere eigenen Präferenzen köar formulieren können. Ich selbst finde, beide Konzepte haben eine Koexistenz verdient und die Skala dazwischen, wie das das Bild auf der Kategorie-Seite abbildet, ist ja auch zu füllen. Wie ich schon als Nachlese zur Campus Innovation 2012 als „Thought on MOOCs“ im November geschrieben habe, bin ich weit von einem xMOOCs-Bashing entfernt. Ich selbst denke, die Vielfalt der Angebote und Angebotsformate erlaub jedem Lernenden, die ihm eigene Lernform zu wählen und für viele sind die cMOOCs wiederum zu verwirrend, unübersichtlich und verlangen zu viel ungestuerte Eigenaktivität. Manche Lernende sind eben froh, wenn ihnen gesagt wird, was sie bis nächste Woche tun sollen/können, um sich etwas anzueignen. Das manchem diese Lernform nicht liegt, ist natürlich auch klar. Zudem differenziert sich das auch nach Vorwissen: Dort wo wir viel wissen, können wir vielleicht besser in ein diskursives Settunge einsteigen, als wenn wir auf einem Einsteiherniveau sind und erst mal einen Überblick brauchen. D.h. es kann sein, dass ich mit Vorkenntnissen vielleicht gerbe in einem cMOOC tummele, aber in einem Feld, in dem ich keine Ahnung habe, gerne mal einen xMOOCs besuche, um eine strukturierte und fundierte Einführung zu bekommen Mandl hat z.B. auch gut differenziert wie Anfänger (Novizen) und Experten sich unterschiedlich durch Wissensgebiete bewegen. Ich glaube darüberhinaus trotzdem, dass wir vom Lernertyp, von unserem eigenen Lernstil und -präferenzen hier sicherlich Vorlieben auf Lernsettings haben. d.h. der eine wünscht sich mehr Führung, der andere mehr Freiheit, ggf. abhängig von Vorkenntnissen, Lernstil, Lwernbiografie und lernbiografischer Prägung usw.

  4. Hallo Claudia,

    Ich möchte hier mal einige meiner ersten Eindrücke und Einschätzungen zusammenfassen.
    Bei cMOOCs kommt, im Vergleich zu xMOOCs, in aller Regel eine größere Anzahl (>6) an Tools (Medien) zum Einsatz, weil jeder Teilnehmer selbst entscheidet über welches Medium (Twitter, facebook, G+, XING, Blog, delicious, etherpad …) er sich beteiligen/vernetzen möchte.
    xMOOCs sind meist recht starr (geführt) und kommen häufig mit einer Anzahl an Medien <6 aus.
    Eine Kommunikation ist bei xMOOCs in den meisten Fällen nur asynchron möglich.

    xMOOCs lassen sich besser "vermarkten", weil weniger Resourcen (Personal) für die Durchführung benötigt werden. In der Vorbereitung (Auswahl und/oder Erstellung der Materialien) sind sie aber meist aufwendiger.
    Bei cMOOCs sehe ich die Resourcenverteilung umgekehrt. Geringerer Aufwand in der Vorbereitung, aber dafür sehr großer Einsatz von "Personal" bei der Durchführung.
    Damit möchte ich natürlich nicht die Vorbereitungsleistung des #MMC13-Orga-Teams schälern. 🙂 Zu dieser These würde ich mir auch am ehesten ein Feedback wünschen.

    Die Zielgruppe bei xMOOCs sind eher Teilnehmer mit geringen Vorkenntnissen, bei cMOOCs werden eher Experten adressiert.

    • Hallo Klaus,

      endlich komme ich zum antworten, also:

      Anzahl an Tools unterschiedlich?

      Du schriebst:
      Bei cMOOCs kommt, im Vergleich zu xMOOCs, in aller Regel eine größere Anzahl (>6) an Tools (Medien) zum Einsatz, weil jeder Teilnehmer selbst entscheidet über welches Medium (Twitter, facebook, G+, XING, Blog, delicious, etherpad …) er sich beteiligen/vernetzen möchte. xMOOCs sind meist recht starr (geführt) und kommen häufig mit einer Anzahl an Medien <6 aus.

      Hmm, ich weiss nicht, das kann sein, aber: ich denke bei den xMOOCs tauchen die Teilnehmenden eher auch mal weg, im Sinne von: sie bilden eigene Gruppen (analog zu wenn sich Fernstudiumsstudierende irgendwo in einer Stadt im Cafe treffen, aber dies eben im Netz) in irgendeinem Tool und im Unterschied zu den cMOOCs wird das a) durch die Veranstalter wie auch die Kursteilnehmenden weniger auf den Hauptkurs rückbezogen im Sinne von „sichtbar“ gemacht. So ist z.B. der Twitterkanal #openHPI des Informatik MOOCs des HassoPlattner Instituts (openHPI) so gut wie leer und wir #MMC13ler haben dort mit die meisten Spuren hinterlassen, als wir uns in der Twitterdebatte auf diesen MOOC bezogen. s. https://twitter.com/search?q=%23openhpi . Aber ob es in den amerikanischen xMOOCs nicht noch viele Gruppen in irgendwelchen sozialen Netzwerken wie Facebook gibt, weiss ich einfach nicht.

      Gerade zu grossen Uni-(Präsenz)Vorlesungen legen sich bei uns Studierende Gruppen an, könnte in den noch grösseren und zum Teil weltweiten xMOOCs auch so sein. da verschiedene regionen unterschiedliche soziale Netzwerke bevorzugen und Lernende vielleicht dort nach peers suchen und Gruppen anlegen, wäre ich mit solchen Aussagen wie >6 Tools usw. eher vorsichtig…ganz ehrlich: ich weiss es nicht und würde es persönlich als Kriterium nicht heranziehen.

      Ich würde eher das Phänomen, dass in cMOOCs diese Aktivitäten und Tools stärker in das Gesamtkursgeschehen einbezogen werden und sich die Veranstalter (zumindest im OPCO11 und OPCO12 und auch hier im MMC13) Mühe geben, dies auf dem Hauptort des Kurses (WIki, Blog oder in was immer der realisiert wurde) sichtbar zu machen d.h. zu verlinken (auch Twitter scheint hierzu ein ideales Medium zu sein, das zeigte z.B. auch die Evaluation von OPCO11, wie wichtig Twitter ist, um auf all diese Orte aufmerksam zu machen. ich fänd daher in diesem MOOC eine Rubrik gut, wo wir uns mal die Rolle und den beitrag des einzelnen Tools anschauen bzw. jenseits von den konkreten Tools: welche Funktionalitäten braucht es wie z.B. einen Ort, ein Medium der Konsolidierung usw.

      Synchrone Kommunikation als Kennzeichen von cMOOCs?

      Du schriebst zudem:
      Eine Kommunikation ist bei xMOOCs in den meisten Fällen nur asynchron möglich.

      Auch damit wäre ich vorsichtig, einige der grossen xMOOCs nutzen durchaus synchrone Events, z.B. diskutiert Mitchell Duneiner, Princeton University, jit ausgewählten Studierenden in seinem Coursera-Kurs „Introduction to Sociology“:


      Quelle: Vortrag von Prof. Schulmeister „Undercover in MOOCs“ auf der CampusInnovation 2012

      Aber ich gebe zu, der synchrone Anteil in xMOOcs ist wohl eher überschaubat. Nur ganz ehrlich: Haben wir denn so viel synchrone Kommunikation in den cMOOcs? In den OPCOs OPCO11 und OPCO12 hatten wir genau 1h/Woche, wie auch hier 1-2h/Woche. So viel ist das doch gar nicht an synchronen Events. Aber was stimmt: in fast allen cMOOCs kommt was Synchrones vor, in den xMOOCs dagegen nicht immer (ggf. eher selten?).

      xMOOC-Vermarktung weil weniger Betreuungsaufwand?

      Du schriebst:
      xMOOCs lassen sich besser „vermarkten“, weil weniger Resourcen (Personal) für die Durchführung benötigt werden. In der Vorbereitung (Auswahl und/oder Erstellung der Materialien) sind sie aber meist aufwendiger.

      Dem zweiten Teil der Aussage stimme ich zu, „weil weniger Resourcen (Personal) für die Durchführung benötigt werden“, wobei man vielleicht beachten muss, ob das absolut ist (ich glaube der KI-xMOOC von Stanford hat mit 140.000 Anmeldungen sicher mehr Arbeit gemacht, als unser cMOOC OPCO11 mit 900 Teilnehmenden, sondern man müsste es pro Kopf, also Aufwand pro Lernenden sehen. Und das stimmt absolut: xMOOCs wollen Lehre skalierbar machen, so dass der xte Lernende, der hinzukommen, nur noch einen geringen bis keinen Mehraufwand macht, dazu wird eben auch die Betreuung & das Feedback möglichst effizient, niedrig gehalten.

      Ob sich die xMOOCs nur daher besser vermarkten lassen, weil sie pro Lernender wenier Aufwand machen, würde ich gerne bezweifeln. Ich glaube, sie werden vermarktet, weil sie weniger Aufwand machen und man wenig Angst vor der grossen Masse hat bzw. die ja auch will. Aber ich glaube, die xMOOCs lassen sich auch deshalb gut vermarkten,

      • da sie das Bedürfnis vieler Lernende treffen, ein klares Lernziel zu bekommen, zu wissen, was man genau machen muss, um den nächsten Schritt zu gehen (Taktung, klare Struktur s. dazu mein Beitrag zu den Lernerbedürfnissen und MOOcs) und sich so z.B. neben dem Beruf oder aus Interesse in ein Thema reinzuarbeiten, Wissen anzueignen und/oder

      • bei einem der grossen Anbieter wie Stanford, Harvard usw. einen Kurs belegt zu haben. Da hilft es auch sicher, dass viele xMOOCs von renommierten Universitäten angeboten werden und damit suggeriert wird, endlich Zugriff auf einen Kurs von Harvard zu bekommen, der vorher hinter für sie verschlossenen Türen war.

      • Und nicht zuletzt auch, weil zur Zeit eben der Name zieht. 2012 war das Jahr der MOOCs, es gab so viele Presseartikel in USA. Viele meldeten sich an, vielleicht auch aus einer gewissen Aufgeregtheit heraus und dem Interesse, dieses Kursformat ausprobieren zu wollen, Zugriff auf Bildung zu bekommen… angemeldet ist man schnell mal, vor allem wenn es kostenfrei ist. Dass nicht alle dann wirklich die Kursbedingungen durchhalten, spiegelt sich in den hohen Abbrecherquoten, die ich z.B. im Gegensatz zu Schulmeister gar nicht schlimm finde (das hatte ich schon ausgeführt in mein Kommentar zur Campus Innovation und zu Schulmeisters Vortrag und seiner kritik an xMOOcs und möchte es hier aus Platzgründen nicht nochmals schreiben).

        Zudem hatten auch die klassischen Fernstudiengänge schon immer mit solchen Abbruchquoten zu kämpfen – und da mussten sich die Lernenden ja immerhin kostenpflichtig anmelden! Dass die MOOCs so lange kostefrei zu noch mehr spontanen Anmeldungen führen, da „man mal schaut, was man kostenfrei so bekommt“ ohne sich vielleicht vorher die eigene Zeitsituation klar gemacht zu haben, ist nur verständlich. Mir scheint es wie Personen, die z.B. Samstags wenn an Supermärkten was kostenfrei was verteilt wird, relfexhaft zugreifen.

        Und wie viele werden sich auch angemeldet haben, um nur einfach mal reinzuschauen, ohne je wirklich die Absicht gehabt zu haben, den Kus auch zu beenden und alle zu erbringenden Leistungen auch wirklich zu erbringen….

        Aber was Schulmeister auch sagte (in seinem CI2012-Vortrag) ist, dass die xMOOC Veranstalter selbst sich an ihn gewendet haben, da sie die grossen Abbruchquoten stören und sie selbst gerne grössere Durchhaltequoten“ hätten.

      Aufwand für xMOOcs und cMOOCs unterschiedlich?

      Du schriebst dann noch:
      Bei cMOOCs sehe ich die Resourcenverteilung umgekehrt. Geringerer Aufwand in der Vorbereitung, aber dafür sehr großer Einsatz von „Personal“ bei der Durchführung.

      Du hast Dir gerade hier ein Feedback gewünscht. Nun, ich kann es nicht beurteilen, wie viel Aufwand die xMOOCs machen, dazu müsste ich einen durchführen oder Zahlenmaterial vorliegen haben und ich bin sicher, dass das in den nöchsten Jahren entsteht. Was ich gerne zu bedenken geben würde ist: da auch in xMOOCs der Content nicht immer vorher vorliegt, sondern vielleicht auch wochenweise noch erzeigt wird. So werden z.B. im Rahmen des Funkkollegs Medien (egal ob das jetzt überhaupt ein MOOC ist und wenn ja welcher), die hinteren Sendungen noch produziert, während der Kurs schon läuft. Das Schöne daran ist: Man konnte auf Feedback aus den frühen Sendungen eingehen. So wurde z.B. die Musik verändert aufgrund des Feedbacks in den Kommentaren.

      Ich denke, das ist bei den xMOOCs ähnlich: nicht der komplette Content steht wahrscheinlich am Kursbeginn schon bereit, sondern wird ggf. auch sukzessive erzeugt. Das ist dann ähnlich wie bei den cMOOCs OPCO11 und OPCO12, wo wir auch wochenweise bzw. zweiwöchentlich ein Live-Event vorbereiteten. Was natürlich sein kann, ist, dass die Art des Contents (Vortrag einerseits versus Interview oder Diskussion vorbereiten und moderieren anderseits ) unterschiedlich viel Aufwand macht. Nur: wenn ich mir manche xMOOCs anschaue, dass sind das Vorlesungen, die die Hochschullehrenden regelmässig halten. Ganz ehrlich: wenn ich einen meiner Vorträge, die ich oft halte, jetzt in eine Kamera spreche für einen xMOOC, hab ich auch nicht sooo viel mehr extra Vorbereitungsaufwand. Und mit den Vorbereitungen der Live-Sessions des OPCO11 hatten wir auch viel Aufwand, da wir uns abstimmen mussten bzgl. Formate, Inhalte, usw.. Ich denke, xMOOcs machen dann viel Arbeit,

      • wenn es neue Inhalte speziell für den Kurs sind und/oder
      • sie inhaltlich, didaktisch und/oder technisch für den Kurs speziell neu aufbereitet werden

      ALso: es kommt einfach drauf an, welche Form es hat, welcher Inhalte, was ich vorher schon habe, ob ich was Neues für den MOOC mache (inhaltlich wie auch vom Format), wie sicher ich mit der Technik bin, usw….. s. Hier zwei Beispiele von Hochschullehrenden, die Vorträge halten, die sie so in dieser Form sicher auch vorher schon gehalten haben:

      Bildausschnitt aus dem „Statistik 1“ Kurs von Andrew Corway, Princeton, auf Coursera, Quelle: Vortrag von Prof. Schulmeister „Undercover in MOOCs“ auf der CampusInnovation 2012


      Links: Coursera-Kurs mit Mitchell Duneiner, Princeton, zu „Introduction to Sociology“
      Rechts: Coursera-Kurs mit Eric S. Rabin, Michigan University, zu „Fantasy und Science Fiction“
      Quelle: Vortrag von Prof. Schulmeister „Undercover in MOOCs“ auf der CampusInnovation 2012

      Etwas anderes ist es da z.B. mit dem MOOC von Thrun, der sich ja sicher grösseren Aufwand in Generierung seiner Vorträge steckte, da er sicher auch dadurch, dass Udacity ja auch seine eigene Institution, hier ein grosses Interesse hat, gute Qualität abzuliefern.


      Bildausschnitt aus dem „Statistik-Kurs von Sebastian Thrun auf Udacity
      Quelle: Vortrag von Prof. Schulmeister „Undercover in MOOCs“ auf der CampusInnovation 2012

      Unterschiedliche Zielgruppen?
      Abschliessend schreibst Du:

      „Die Zielgruppe bei xMOOCs sind eher Teilnehmer mit geringen Vorkenntnissen, bei cMOOCs werden eher Experten adressiert.“

      Ja, dem kann ich erst mal zustimmen, zur Zeit ist es wohl so. Wobei ich auch das wieder einschränken möchte: In dem beiden OPCOs haben wir uns nicht nur an Experten ausgerichtet, im OPCO11 noch weniger als im OPCO12, in beiden, mehr noch im OPCO11, wollten wir auch Einsteiger erreichen. Den Hauptunterschied sehe ich zur Zeit, dass die xMOOCs klarere Strukturen und Definitionen aufweisen in Bezug auf Zielsetzung, dass etwas zu leisten, zu erreichen ist. Dass die cMOOcs sich dann zu Experten-MOOCs entwickeln sehe ic eher durch die Dynamik der aktiv sich äußernden Experten gegeben, als unbedingt durch die Veranstalter selbst. Aber wenn die, di etwas posten, eher die Experten sind (s. dazu auch ganz konkret meinen Kommentar auf Markus Jung Beitrag in Bezug aus den MMC13 hier sowie in Bezug auf Lurker mein Beitrag zum OPCO11 und der Beitrag von Yvonne Stragies zur Lurkerfalle.

      Die Frage ist auch: welche Vorkenntnisse wir meinen: Medienkompetenz, fachlich… ich denke auch, dass die Präferenz der Vorgehensweise beim Lernen eine Rolle spielt, das habe ich ausführlicher hier beschrieben: MOOCs und Lernstil/-präferenzen: Ein Lob der Vielfalt … auch für MOOCs!… der Kommentar muss ja auch mal ein Ende haben“ ;-))

  5. Hallo Claudia,

    ich finde Deine Reflektion zum Verständnis des MOOCs super. Bei einigen Diskussionen habe ich den Eindruck, es wird zu scharf darauf geschaut, was alles ein MOOC sein muss, dabei bin ich da ganz bei Dir: Ein MOOC ist ja nichts komplett neues und gegenüber den „Online Courses“ ist eigentlich „nur“ das M und das erste O dazugekommen (wobei Martin recht hat in seiner Überlegung, dass sich „Online sein“ auch sehr gewandelt hat). Ich denke auch, Ziel sollte nicht sein, Kriterien festzulegen, an dem man einen MOOC erkennt, wenn man ihm begegnet, sondern (zumindest im Rahmen des #MMC13) den Planern von MOOCs Möglichkeiten aufzuzeigen, um die Komponenten „Massive“ und „Open“ zu verstehen, für sich ev. einzugrenzen und die Konsequenzen abschätzen zu können.

    Eine spezielle Anmerkung noch. Du schreibst: „Was [die Online-Kurse Akademine.de] von MOOCs unterscheidet, ist, dass die Inhalte nicht kostenfrei im Netz stehen, man für die Teilnahme zahlt. Also scheint die Offenheit, das open eine wichtige Eigenschaft zu sein. Was wird dann also mit MOOCs, für die Anbieter irgendwann ggf Geld nehmen, sind das dann keine MOOCs mehr?“
    „Open“ heißt aber nach meiner Auffassung nicht zwangsweise „Free“, sondern kann sich auch auf offene Teilneherschaft (= jeder kann mitmachen, es gibt keine Vorleistungen o.ä.) und offene Lernziele beziehen. Eine Kostenpflichtige Prüfung bzw. die Notwendigkeit zur Einschreibung ist ein Modell, das meiner Meinung nach einem MOOC nicht wiederspricht. Aber das werde ich bezüglich der SOOC-Planung aufgreifen (müssen, denn den Studenten kommt es ja sicher auf Credits, oder ein Zertifikat an).

  6. Pingback: #mmc13: Was meine Lernziele mit Musik, Rockkonzerten und der Hirnforschung zu tun haben! | SicherDeinWeb

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